Respekt, Freiheit, Vertrauen

Juni 7, 2016

 

Liebe Miriam, lieber Jakob,  liebe Gäste!

Einleitung

Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre waren ein berühmtes französisches Liebespaar aus dem letzten Jahrhundert, beide waren Schriftsteller und Philosophen, Beauvoir eine federführende Feministin.

Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre siezten sich Zeit ihres Lebens. Aus Respekt voreinander. Heiraten kam nicht in Frage. Alle bürgerlichen Vorstellungen wurden abgelehnt. Sie zogen nie zusammen in eine gemeinsame Wohnung. Lebten in Hotels, schrieben in Cafés. Sie hatten Angst, der Bequemlichkeit der Zweisamkeit zu erliegen. Jeder sollte eigenständig leben und sein Leben nicht auf den anderen beziehen. Freiheit und Eigenverantwortlichkeit. Das sind die großen Themen dieses glamourösen Paares der Pariser Avantgarde.

(Pause)

Etwas an der außergewöhnlichen Liebesgeschichte dieses Paares erinnert mich an euch.

Hauptteil

Denn, als ich über euch nachdachte, um heute etwas wirklich Bedeutsames über euch zu sagen, da fiel mir als erstes auf, dass ich an euch, liebe Miri, lieber Jakob, so sehr schätze, dass ihr euch mit großem Respekt begegnet. Ja, der Respekt voreinander und dass euch die Freiheit des anderen sehr wichtig ist. Wie ich darauf komme?

Als du Miri deine Entscheidung trafst, nach deiner Ausbildung noch ein Musik – und Philosophiestudium anzufangen, da hast du ein Jahr für ein Klavier gespart. Euer gemeinsamer Urlaub war gestrichen. Jakob hat deine Entscheidung akzeptiert, ohne zu murren. Der Sommer, den ihr in unserem Schrebergarten verbracht habt, gehörte zu den schönsten seines Lebens. Wie er mir erzählte. Und das glaube ich ihm. Denn er empfindet es als großes Glück, wenn die Frau, die er liebt, ihren Traum leben will. Respekt!(hebt das Glas in Richtung Jakob)

Und du Miri respektierst Jakobs Freiheit, wenn er die Wochenenden zu seinen Musikfestivals fährt, obwohl du mit Metal nun wirklich gar nichts anfangen kannst. Du bleibst zu Hause, weil Zelten auf schlammigen Plätzen nun mal nichts für dich ist. Du spielst lieber sonntagmorgens, zur Freude deiner Nachbarn, drei Stunden Chopin auf dem Klavier. Respekt!(hebt das Glas in Richtung Miriam)

Nun meine ich nicht, dass ihr beiden wieder anfangen solltet, euch zu siezen.

Und ich meine auch nicht, dass ihr eure schöne Wohnung, die ihr euch so liebevoll eingerichtet habt, wieder aufgeben solltet. Womöglich aus lauter Respekt voreinander, um einander ja nicht einzuengen.

Ihr schenkt euch Respekt und Freiheit heute an diesem ganz besonderen Tag. In eurer individuellen Art einen Bund für das Leben zu schließen. Ihr braucht kein Standesamt und keine Kirche, viel zu spießig und bürgerlich für euch zwei. Auch da erinnert ihr mich an Sartre und Beauvoir.

Aber was euch von den glamourösen Philosophenpaar unterscheidet ist, dass ihr ein sehr glückliches Paar seid, das weiß, was es aneinander hat. Und, ganz wichtig: Dass ihr einander Vertrauen schenkt, heute und in der Zukunft. Ihr braucht keinen Vertrag, keinen Pakt, keinen besiegelten Bund.

(Pause)

Schluss:

Ihr vertraut auf euch und eure Liebe.

Und dafür gebührt euch der größte Respekt. Von uns allen!

(hebt das Glas)

Auf Miri und Jakob! Eines der wunderbarsten Paare, die ich kenne.

 

Dauer: 5 Minuten

Wörter: 500

Thema: Respekt vor dem Anderen, die Freiheit achten, Vertrauen

Art und Weise: intellektuell,  persönlich

wertschätzend, liebevoll, philosophisch

Zuhörer: Intellektuelle, Akademiker, Alternative, Freidenker …

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